Bald

Ganz langsam
und schleichend
verfärben sich die Blätter
und verbreiten
Farbmosaike des Herbstspektrums.
Tiefgoldene Septembersonne und rundherum
rostbraun, dunkelgelb und moosgrün.
Dann hören nicht nur die Bäume auf zu blüh‘n
sondern auch unsere Herzen.
und wir bereiten uns vor auf einen Krieg
gegen Schlaflosigkeit und Bauchweh ohne Grund
auf Einsamkeit,
die bitter schmeckt im Mund,
weil wir uns sehnen nach Küssen, nach Worten
nach irgendetwas ehrlich Gemeintem,
und wenn’s auch bloß unsere Zweifel und Sorgen sind.

Bald
ganz langsam
fallen die Blätter zu Boden,
werden fortgetragen vom Wind
ich wünscht‘ er würde mich mitnehmen. 

loenielle:

Du sagst, du
verstehst das nicht,
warum so traurig,
warum ausgerechnet ich?
aber glaub’ mir
wenn ich mir ans Herz fass’ 
und dir in die Augen schau’:
wärst du einen Tag 
an meiner Stelle
wären alle deine Farbe grau. 

Du sagst, du
weißt das nicht
warum so kompliziert, 
warum so grundlos schwierig?
aber vertrau’ mir,
wenn ich mir ans Herz fass’
und die Worte tanzen über meinen Mund:
bitte stell’ dich zu mir,
mach’ all mein Grau
wieder bunt.

vorgekaut

Wenn ich jetzt den Regen sehe, wie er in Schlierenbewegungen an meiner Fensterscheibe herunter tanzt, während ich ins Dunkle draußen starre, denke ich an uns und an unsere geteilten Worte. Wie sich deine Augen weiteten, als ich dir erklärt habe, dass wir uns doch alle nur auf selbst vorgekaute Ideen und Kopfwirrwarre festsetzen. Irgendwann haben wir so zum Beispiel gesagt, dass wir Jura oder Biologie studieren möchten, weil wir das interessant finden würden und wegen der guten Berufschancen in der Forschung. Das haben wir irgendwann einmal so gesagt. Und das hat sich gut sagen lassen. Und es hat sich gut angehört. Deshalb haben wir das dann wiederholt. Und immer wieder, wenn uns jemand fragte, was wir denn einmal nach der Schule machen möchten, haben wir genau solche Sachen gesagt. „Ich schreibe gerne, möchte Publizistik studieren“. „Ich hab einmal Ferialpraktikum im Altenheim gemacht, will Krankenschwester werden.“ All denen wir das erzählt haben, haben verständnisvoll genickt und waren begeistert, wie sicher wir uns doch sind. Aber dabei haben wir uns nicht einmal die Zeit genommen auch wirklich über diese Ideen, über diese Sätze nachzudenken. Als ich versucht habe dir das zu erklären hast du kurz zugestimmt und bist danach zum Rattern des Zuges eingeschlafen. Ich fand das Rattern klang ein wenig nach Musik. Ich konnte kein Auge zudrücken. Und.. du? Ich hab einfach nur Scheißangst. Eine Scheißangst habe ich, weil ich befürchte, dass ich all je Gutbefundenes und gutüberlegt Entschiedenes bereuen könnte. Und dass ich nie wendig genug sein könnte, mir dann selber in den Arsch zu beißen.
Was wenn alles, was wir jetzt entscheiden falsch sein könnte? Was wenn am Ende sowieso nicht zählt, was falsch oder richtig ist?
Was wenn das einzige Hindernis wir selbst sind? Und wir alle kennen die Antwort auf diese Fragen. Aber wir sagen sie nicht laut, aus Angst jemand könnte es hören und genauso denken.
Manchmal da sind wir zu müde zum Rennen. Dann ertrinken unsere Gedanken in der Donau und treiben fort. Dann verbrennen unsere Herzen im Lagerfeuer unserer eigenen Zweifel. Wir wagen nicht, deshalb gewinnen wir so selten.

Hibiskusblüten

"Hibiskusblüten"
ein Wort so schön,
wie der Geruch selbst.
Bleibt der Geruch aber meist
nur so lange bis die Blüte verwelkt.
Und was bleibt dann noch zurück?
Denn nur noch die Schönheit des Wortes?

Was bleibt, wenn das was uns auszeichnet, nicht mehr da ist,
verschwindet. ?

Wer sind wir, wenn wir verlernen zu sein wie wir sind?
Wer werden wir, wenn wir vergessen wer wir werden wollen?

Wie schmecken eigentlich Hibsikusblüten?